Cloud-native IoT- und Telematik-Plattform für über 150.000 vernetzte Fahrzeuge
Leistungen: IoT-Plattformen · Cloud-Transformation · KI in Produktion · Plattform Stewardship
Ausgangslage
Telematik ist für einen Fahrzeughersteller längst kein Zubehör mehr, sondern Geschäftsgrundlage: Flottenbetreiber erwarten, ihre Fahrzeuge in Echtzeit zu sehen, Kühlketten lückenlos nachzuweisen und Ausfälle zu vermeiden, bevor sie entstehen. Die bestehende On-Premise-Architektur unseres Kunden war für eine kleinere Flotte gebaut worden und stieß nun spürbar an ihre Grenzen. Jedes neu angebundene Fahrzeug erhöhte die Last, Skalierung bedeutete Hardware-Beschaffung statt Knopfdruck, und die Stabilitätsrisiken wuchsen mit jedem Quartal. Zugleich war klar: Die Zukunft des Geschäfts liegt in datengetriebenen Services, und dafür braucht es ein Fundament, das nicht nur den heutigen Betrieb trägt, sondern das Kommende ermöglicht.
Die Anforderung war deshalb anspruchsvoller als eine klassische Migration: Die Plattform sollte cloud-native neu entstehen, die Bestandsflotte ohne Serviceunterbrechung übernehmen und von Anfang an als digitaler Kern für neue Geschäftsmodelle ausgelegt sein.
Die Lösung
Wir haben die Plattform als verteilte, horizontal skalierbare Cloud-Architektur vollständig neu aufgebaut und die produktive Flotte in nur 14 Monaten migriert. Statt die alte Architektur in die Cloud zu kopieren („Lift and Shift"), haben wir sie neu gedacht: Event-Streaming als Rückgrat für die Nachrichtenverarbeitung, Container-Orchestrierung für elastische Skalierung, spezialisierte Speicher für die Analyse großer Sensordatenmengen. Die gesamte Infrastruktur haben wir als Code beschrieben, sodass jede Umgebung reproduzierbar und jede Änderung nachvollziehbar ist.
Heute verarbeitet die Plattform die Telemetrie von über 150.000 aktiv angebundenen Fahrzeugen, und zwar herstellerübergreifend: Sie integriert nicht nur die Fahrzeuge unseres Kunden, sondern auch Fremdfabrikate, unabhängig von der jeweils verbauten Telematik-Generation. Jedes Fahrzeug liefert mehr als 600 unterschiedliche Sensorwerte, von Position und Temperatur über Reifendruck und Türstatus bis zu Bremsdaten. Im Normalbetrieb verarbeitet das System 250 bis 350 Nachrichten pro Sekunde und fängt Lastspitzen von über 1.000 Nachrichten pro Sekunde zuverlässig ab.
Für die Flottenbetreiber entstand darauf ein Portal, das weit über Positionsanzeige hinausgeht: Echtzeitsicht auf die gesamte Flotte unabhängig von der Hardware, frei konfigurierbare Alarme und Benachrichtigungen, vollständige Historien von Ereignissen, Positionen und Temperaturen. Auf Auftragsebene lassen sich Touren in Echtzeit überwachen, inklusive Ankunftsprognose und automatisch erzeugter Temperaturreports, wie sie die Kühlkette verlangt. Ein Monitoring-Modul verbindet proaktive Überwachung mit Predictive Maintenance, mit besonderem Augenmerk auf den Kühlaggregaten: Auffälligkeiten werden erkannt, bevor sie zu Ausfällen werden, Wartungen vorausschauend geplant statt im Störungsfall improvisiert.
Die Kommunikation verläuft dabei in beide Richtungen. Die Plattform empfängt nicht nur Daten, sondern kommandiert Funktionen wie Kühlaggregat oder Türsteuerung aus der Ferne und rollt über denselben Kanal Over-the-Air-Updates aus. Ein eigenes Update-Management-System plant und dokumentiert diese Kampagnen im Einklang mit den regulatorischen Vorgaben für Software-Updates im Fahrzeug: Jedes Update ist nachvollziehbar, jedes Fahrzeug bleibt regelkonform, ohne dass jemand physisch eingreifen muss.
Und die Plattform ist zum Geschäfts-Fundament geworden, das sie sein sollte: Für die Nutzer haben wir einen KI-gestützten Assistenten in Produktion gebracht, der Fragen zu Fahrzeugen und deren Daten in natürlicher Sprache beantwortet, gekoppelt an den tatsächlichen Datenkontext.
Das Ergebnis
Seit dem Start in der Cloud ist die Zahl der angebundenen Fahrzeuge von rund 30.000 auf über 150.000 gewachsen — ohne Architekturumbau, denn die Auslegung trägt bis über 600.000 Fahrzeuge. Die Plattform trägt heute den Telematikbetrieb einer der größten vernetzten Trailer-Flotten Europas. Und sie ist kein abgeschlossenes Projekt: Im Rahmen unseres Plattform Stewardships sichern, betreiben und entwickeln wir das System seit dem Go-live kontinuierlich weiter: mit demselben Team, rund um die Uhr überwacht, mit automatisierten Last- und Integrationstests in jeder Auslieferung.
Zahlen & Fakten
150.000+ Fahrzeuge (Start: 30.000) · ausgelegt auf 600.000+ · 250–350 Nachrichten/Sekunde, Spitzen über 1.000 · 600+ Sensorwerte pro Fahrzeug · Migration in 14 Monaten · Betrieb in der EU
Technologie
.NET, Angular, Microsoft Azure, Kubernetes, Event-Streaming, Infrastructure as Code, CI/CD mit automatisierten Unit-, Integrations- und Lasttests, 24/7-Monitoring